Vielseitige Blaualge: Spirulina erobert die Speisepläne

Es existierte schon Milliarden Jahre vor uns Menschen, ernährt Lebewesen im Tierreich – und war auch für Homo-Sapiens-Kulturen aus längst vergangenen Zeiten ein Bestandteil des Nahrungsrepertoires, unter anderem bei den Azteken im heutigen Mexiko: Spirulina (die wissenschaftliche Bezeichnung lautet Spirulina platensis beziehungsweise Arthrospira platensis) ist, obwohl früher oft „Blaualge“ genannt, ein Bakterium.

Konkret: eine Gattung der Cyanobakterien, die in stehenden, eher flachen Süßgewässern subtropischer Klimazonen wachsen. Seit Spirulina im Industriezeitalter Einzug in die bewusste Ernährung vieler Menschen hält, wird es mit Blick auf eine höhere Rohstoffqualität in Aquakulturen angebaut.

In diesen geschlossenen Systemen kommt die Mikroalge zum Beispiel nicht mit anderen Organismen wie Grünalgen in Kontakt und bleibt rein – insbesondere dann, wenn die Erzeuger den Spirulina-Anbau nach geltenden Bio-Richtlinien betreiben.

Denn die ökologisch kontrollierte Kultivation stellt gegenüber konventionellen Methoden zusätzlich sicher, dass das Erntegut aus dem Wasser frei von bestimmten chemischen Zusätzen bleibt. Heimisch ist Spirulina mehrheitlich in Afrika, China, Mexiko und Mittelamerika.

Zucht von Bio-Spirulina Algen
Die Zucht von Bio-Spirulina-Algen ist arbeitsintensiv. Das Gute an den Aquakulturen: Die Spirulina-Algen werden nicht durch andere Organismen verunreinigt.

Spirulina: Da steckt viel Gutes drin

Seit ungefähr den 1970er-Jahren wird Spirulina als Nahrungsergänzungsmittel verarbeitet, zu Pulver gemahlen, als Kapsel umschlossen, als Tablette oder Pressling verdichtet.

So erhält man die wertvollen Inhaltsstoffe der kleinen Blaualge in konzentrierter Form: Spirulina, das seine sattgrüne Farbe dem sekundären Pflanzenstoff Chlorophyll verdankt, ist insbesondere für seinen überdurchschnittlich hohen Anteil an Eiweiß-Proteinen bekannt, ebenso für seine Mengen an Aminosäuren, Beta-Carotin, B-Vitaminen, Eisen, Kalzium, Magnesium, Selen sowie Vitamin E und K.

Auch mit einfach und mehrfach gesättigten Fettsäuren kann das Bakterium aufwarten. All diese Ingredienzen tragen maßgeblich zu unserer Gesundheit bei – und so wirken sie im Körper:

  • Vitamin B6 (Pyridoxin): Die Vitaminsammlung hat zum Beispiel essenzielle Wirkungen auf den menschlichen Eiweiß- und Fettstoffwechsel, der an der regelmäßigen Verdauung und einem gesunden Hautbild beteiligt ist. Zudem beeinflusst Vitamin B6 die Aktivität unserer Nerven und des Immunsystems positiv.
  • Vitamin B12 (Cobalamin): Blutbildung, Zellteilung, Weiterleiten von Nervensignalen: Diese lebenswichtigen Prozesse im Körper können nur mit Vitamin B12 zuverlässig funktionieren. Da der Körper dieses Vitamin nicht selbst herstellen kann, muss er es über seine tägliche Ernährung aufnehmen.
  • Beta-Carotin/Provitamin A: Beta-Carotin hat eine gesundheitsfördernde Wirkung für unsere Netzhaut und damit für die Sehleistung. Auch für das Wachstum von Körperzellen und eine gesunde Haut ist Beta-Carotin wichtig, überdies stärkt es die körpereigenen Abwehrkräfte. Vitamin E (Tocopherol): Vitamin E ist der Schutzschild unter den Vitaminen. Es wehrt gesundheitsschädliche Eindringlinge wie freie Radikale ab und hat somit eine wichtige Immunfunktion.
  • Vitamin K: Zum einen fördert Vitamin K eine gesunde Blutgerinnung, zum anderen einen gesunden Knochenaufbau.
  • Kalzium: Dieser Mineralstoff ist ein sehr wichtiges Element für einen gesunden Knochenbau und einen starken Zahnschmelz.
  • Magnesium: Magnesium hat im Zusammenspiel mit Kalzium und einigen anderen Mineralstoffen und Vitaminen für die Knochenstabilität eine hohe Relevanz. Zudem stabilisiert es bestimmte Membranen im Körper, das wiederum hat Einfluss unter anderem auf die Sauerstoffverarbeitung und Muskelfunktionen. Magnesium lässt sich ausschließlich über die Nahrung aufnehmen.
  • Eisen: Für die Bildung des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin ist das Spurenelement unverzichtbar. Hämoglobin transportiert Sauerstoff durch den Körper, der die Zellen – etwa in der Muskulatur – dabei unterstützt, sich mit der notwendigen Energie zu versorgen, sozusagen frisch zu bleiben. Auch Haut und Haare benötigen Eisen, um gesund und kräftig zu bleiben.
  • Selen: Wie die meisten Spurenelemente, hat auch Selen vielfältige Aufgaben im Organismus. Selen ist beispielsweise ein Element von Enzymen mit antioxidativer Wirkung, welche die Zellen vor freien Radikalen und damit vor Zerstörung schützen. In Verbindung mit anderen Enzymen ist Selen wichtig für eine gesunde Funktion der Schilddrüse.
Algen: Vitamine und Nährstoffe
Klein aber oho: Algen bilden eine Vielzahl an Vitaminen und Nährstoffen.

Aus dem Wasser ins Labor

Auch, wenn bisher weder umfassende noch repräsentative Studien angelegt wurden, gibt es seit Längerem eine Vielzahl punktueller Untersuchungen an Tieren wie auch an Menschen zur Wirksamkeit von Spirulina mit Blick auf ihre gesundheitsfördernden Eigenschaften.

Einige dieser Studien sind auf der Online-Plattform der National Library of Medicine im National Center for Biolotechnology Information (NCBI, Maryland, USA) zur Einsicht veröffentlicht. Wissenschaftler beschäftigten sich unter anderem damit, wie ausgesuchte Inhaltsstoffe des Cyanobakteriums zum Beispiel Stoffwechselvorgänge beeinflussen können.

Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass Spirulina, über mehrere Wochen in der passenden Dosierung eingenommen, die Zellen beim Entgiften und damit den Körper beim Entschlacken unterstützen kann. Dieser Vorgang kann zudem einer zu schnelle Alterung der Zellen vorbeugen.

Die Inhaltsstoffe der Mikroalge können überdies dabei helfen, entzündungshemmende Prozesse sowie eine Senkung des Blutfettspiegels zu fördern. Eine placebo-kontrollierte Doppelblind-Studie kommt zu dem positiven Schluss, dass Spirulina Heuschnupfensymptome lindern oder verringern kann.

Helfer für das Immunsystem

Auch zum Zweck der Aktivierung und Förderung der körpereigenen Zellen, die an der Immunabwehr beteiligt sind, wird Spirulina eingenommen. Hinweise auf eine entsprechende Wirkung lässt unter anderem eine Studie von japanischen Wissenschaftlern zu.

Auch eine wissenschaftliche Gruppe der Harvard University in Massachusetts, USA, beschäftigte sich mit der Eigenschaft der Mikroalge, das Wachstum schädlicher Viren in den körpereigenen Zellen zu hemmen.

Ihre Studie führten sie am Beispiel von HI-Viren durch und übertrugen ihre Erkenntnisse auch unter anderem auf Herpes- und Influenzaviren. Das Fazit: Spirulina hilft dem Immunsystem, sich erfolgreich gegen schädliche Eindringlinge zu wehren.

Ein Forschungsteam aus italienischen und US-amerikanischen Spezialisten wiederum bestätigte in seiner 2011 veröffentlichten Untersuchung von Probanden im Alter ab 50 Jahren aufwärts die regenerierenden Auswirkungen von Spirulina auf Blutarmut und ein sich altersbedingt verschlechterndes Immunsystem.

Gesund mit Geschmack

Dass sich mit Spirulina in Kapsel-, Tablettenform oder als Pressling kulinarisch wenig variieren lässt, liegt auf der Hand. In Pulverform hat die grüne Mikroalge in der Gegenüberstellung ungleich mehr Variationspotenzial.

Eine verbreitete Art, das pulverisierte Nahrungsergänzungsmittel mit dem typischen Aroma vom Meeresgrund zu genießen, ist als Spezial-Zutat im Smoothie. Avocados, Bananen und Mangos eignen sich dabei als Begleiter ebenso wie Spinat und Limetten.

Auch in Mixgetränken aus Kuh-, Mandel- oder Pflanzenmilch kommt Spirulinapulver zum Einsatz, und auch grüne Gemüsesuppen, Joghurt-Dips oder Overnight-Oats lassen sich damit verfeinern. Erlaubt ist, was schmeckt – das zugehörige Gefühl, dem Körper etwas Gutes zu tun, lässt sich eben in vielerlei Gestalt genießen.

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